Deutschlands Wissen braucht (wieder) eine breite Basis 
Thursday, 22. November, 2018 - Politik, Gedanken und Gedichte
Immer wieder sage ich, dass Deutschland kein Agrarland sei und wir von unserem Wissen – dem Know-how, dem Gewusst-wie – lebten. Anscheinend glauben/trauen wir uns inzwischen selbst zu wenig, so dass uns erst der inzwischen recht bekannte Prof. Christopher Clark ("Deutschland-Saga", ZDF info) bestätigen muss. So erklärte er, Deutschland habe Anfang des 20. Jahrhunderts ein Viertel der Nobelpreise abgeräumt. Das habe daran gelegen, dass das Wissen auf eine breite Masse gestellt worden sei. (Was man damals als breite Masse verstand.)

Auch erinnerte Prof Clark daran, dass englischsprachige Wissenschafter Deutsch lernten, um die Werke deutschsprachiger Wissenschaftler zu verstehen. Hingegen veröffentlichten heutzutage inzwischen deutsche Wissenschaftler ihre Werke gleich auf Englisch.

Mir sagt das vieles: Wenn es etwa heißt, wir besäßen einen Fachkräftemangel, so liegt der Mangel doch nur daran, dass die Verantwortlichen nicht frühzeitig etwas unternommen haben – ob nun unter der Ägide von Kohl, Schröder oder Merkel.

Der gleiche (Hinter-) Grund lässt sich in Merkels Flüchtlings- und der allgemeinen Hartz-IV- resp. Aufstockerpolitik finden: Die hiesige Wirtschaft will billige Arbeitskräfte, weil man sonst angeblich nicht mit der Weltwirtschaft mithalte könne.

Vordergründig ergibt das einen Sinn: Chinesische Arbeiter sind billiger. Doch wenn schon China sich nach afrikanischen Arbeitern umschaut, weil sie eigenen zu teuer werden, dann stimmt grundsätzlich etwas nicht.

Deutschland war nie ein Billiglohnland. Unser "Made in Germany" sprach für Qualität. Und Qualität kostet. Aber die Regierungsverantwortlichen sind nicht mehr bereit, Bildung und Forschung auf eine breite Basis zu stellen. Das Know-how wird abgestellt ... zugunsten?
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Endgültigkeit 
Saturday, 23. June, 2018 - Gedanken und Gedichte
Endgültigkeit ist das harte Brot, woran wir täglich essen und niemals satt werden.
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Ware Mensch 
Monday, 07. May, 2018 - Politik, Gedanken und Gedichte
Eines muss immer wieder erstaunen: Völlig fraglos wird heute hingenommen, dass zu einer Demokratie auch der Kapitalismus gehört.

Dabei ist das keineswegs selbstverständlich.

Der Kapitalismus fragt nicht, wie es dir geht und wie du lebst. Seine Idee ist allein die stetige Profitmaximierung. Was der Einzelmensch davon hat, spielt keine Rolle, da er kein Humankapital, sondern nur ein leidige Investition ist.

Dächte man die Idee des Kapitalismus zu Ende, gäbe es nur einen Menschen, der einen Computer bediente und dieser wiederum tausenden Computer befehlte, was momentan an Waren herzustellen sei.

Doch wer sollte all die Waren kaufen, wenn keiner mehr eine gut entlohnte Arbeit hat?

Genau das ist der Knackpunkt und Fehlschluss bei all jenen Managern, die möglichst viele Waren mit möglichst wenigen Menschen produzieren wollen.

So wird auch die Ware Mensch irgendwann endlich sein.

Wer wirklich klug ist, wird diesen Weg nicht weitergehen.
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Tilt on friendship 
Friday, 23. March, 2018 - Gedanken und Gedichte
Du sagtest, mir ein Freund zu sein, so wie ich Deiner sei.

Du sagtest das, ohne irgendwas zu tun, während ich es tat und von Allgemeinplätzchen kamen Das hielt ich dir nicht augenblicklich vor, weil Freundschaft auch Loyalität bedeutet.

Lange hielt ich es aus, auf dich zu warten und immer für dich ein Freund zu sein: loyal und beständig, an dich glaubend trotz Widerworte, die ungläubig auf dich prasselten, Ich wartete und wartete, meine Loyalität an deinen Ich abnutzend.

Irgendwann sagte ich dir, unsere Freundschaft könne nicht immerzu einseitig sein. Statt darauf einzugehen, belegtest du mich mit Schweigen, ganz so, als sei ich dein schwuler Smalltown Boy, dessen Freundschaften du so austauschbar fickst.

Menschen wie du, denen Freundschaft nur dann wichtig ist, wenn sie einen Vorteil daraus sehen und nicht mehr als, gehören auf den Schrottplatz jeglicher Emotionen.




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Linksfaschist 
Monday, 29. January, 2018 - Gedanken und Gedichte
Keineswegs muss man an Gott glauben. Aber man muss (sich) erlauben, mehr als um eine Ecke zu denken.

Warum sollte ich kleiner "Linksfaschist" – so nennen mich irrigerweise die, die meiner Meinung so wenig sind – mir nicht erlauben, sehr meiner Überzeugung sein?

Ich denke sozialistisch, auch nationalistisch, selten neodarwinistisch. Auch überlege ich, warum uns die Mainstreammedien so oft einreden wollen, dass Privat- über Allgemeintum gehe. Obwohl wir doch die schlechten Beispiele it Post und Bahn haben. Aber man erklärt uns als all erschleckliches Beispiel, wie gut das mit der Telekom verlaufen sei.

Nun ja, ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Der Mainstream ließ unvollkommen, dass seither der Sozialtarif abgeschafft wurde. Die Zynismus ist grenzenlos wie die Armut, die man in einem der reichsten EU-Länder, Deutschland geheißen, erlaubt.

Ich bin anscheinend weder Deutscher noch Europäer, sondern nur das, wozu mich die jeweilige Erklärung macht.
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Menschenverlorenschlimm 
Sunday, 21. January, 2018 - Gedanken und Gedichte
Hab' dich lieb; bleibst unvergessen, warst mir immer Freund und immerzu mehr als das. Die Uhr an deiner Lebensarmbandzeit tickt nicht mehr; seither lausche ich traurig und gierig darauf, sie möge es wieder tun.

Das zwischen dir und mir, all die Zeit und der Raum, passt nicht mehr für uns. Du gingst den ewigen Schlaf, vielleicht mir nur voraus?

Wirst du auf mich warten wollen?

Jürgen Werth - "Nun bist du fort"
https://www.youtube.com/watch?v=TAj0UW670VI
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Ehe ich mich traue? 
Friday, 30. June, 2017 - Gedanken und Gedichte
Ehe für alle ist durch. Gewöhnen werde ich mich daran nicht so schnell. Doch gleichgeschlechtliche Beziehungen werden nicht weniger oder schlechter, nur weil wir "Normale" den Kopf in den Sand stecken glauben, deswegen gebe es das nicht nicht.

Das ist wie mit dem Drogenhandel: Jahrzehntelang sahen wir hinweg, weil so was nicht bestehen durfte. Wenn die sturen Köpfen allerdings einmal wahrnehmen, DASS es solcherlei Dinge tatsächlich gibt, könnten wir sie leicht lösen:

Wenn Drogen legalisiert – und gar besteuert – wären und kontrolliert ausgegeben würden, käme keinem Junkie mehr in den Sinn, eine alte Oma zu plündern oder Autoradios zu. Die ganze Beschaffungskriminialität hätte sich rasch erledigt: der Drogenschwarzhandel verdiente nichts mehr.

Und die Ehe für alle? Merkel hätte mit guten Beispiel vorausgehen können, doch sie stimmte dagegen. Meine Güte, es wird doch niemand gezwungen, nur die Ehe zwischen Mann und Frau für richtig zu halten. Es gibt nun einmal Menschen, die anders lieben, als die Gesellschaft es sich wünscht. Aber die gibt es nun einmal, ob und mit oder ohne Ehe für alle.

Ob Frau Merkel diese Homophie auch an den Tag legte, wenn sie von homosexuellen Unternehmern ihre Parteikasse gut gefüllt bekäme?



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Firefox - ressourcenfressend bis unnötig? 
Sunday, 25. June, 2017 - Gedanken und Gedichte
Eigentlich bin ich bin dem uralten Opera 12.17 unterwegs. Er ist fix und lädt Webseiten im Nu, ganz im Gegensatz zu den schwerfälligen IE- und FF-Browsern.

Er lud, muss ich sagen. Denn seit die Webseiten immer mehr modernes HTML und XML sowie gefühlt hundertmal bei Ad- und Statistik-URLs nachfragen, tut sich mein lieber Opera schwer.

Doch was wäre die Lösung? Die Schnüffler IE und Chrome lehne ich ab, somit bliebe nur FF. Ein netter Browser, wenn er nicht – Pardon – so lahmarschig wäre, indem er einem nach kurzer Zeit jeglichen Arbeitsspeicher zumüllte und geradezu das gesamte System lahmlegte.

Es gibt diverse Tipps – etwa unter http://praxistipps.chip.de/firefox-speicherauslastung-senken_17254 –, auch solle man über about:config in der Adresszeile die Zeile network.prefetch-net von true auf false ändern, damit Firefox' Vorausladen verhindert werde, doch es stellt sich eine Frage:

Warum ist es nötig, so tief in die heimlichen Einstellungen eines Browsers einzugreifen, damit er vielleicht das tut, was er soll? Nämlich schnell und geschmeidig unter möglichst allen Betriebssystemen zu laufen, ohne dass man ihn mit vier, acht, demnächst vielleicht noch sechzehn GB RAM befriedigen muss!

Immer wieder stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn irgendeine Software irgendein Auto wäre: Fährt es dann nicht los, weil

- irgendeine Komponente schlecht programmiert sei?
- die Auto-Software irreparabel sei, weil der Mechaniker eine neuere Software habe?
- weil der Zigarettenanzünder nicht das neueste Up-date habe?
- weil per Datenfunk übermittelt wurde, dass das Fahrzeug nicht mehr mit dem Kraftstoff fahren könne und man zur nächsten Tankstelle gelangen solle, um ein Patch in den Tank einzuspielen
- nicht zu guter Letzt ein neues Fahrzeug seine Zulassung verliere und man es nicht zurücktauschen könne, wenn man es einmal in Betrieb genommen wurde?

Software ist anscheinend nicht wirklich, gilt also nicht für die reale Welt!?
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Über die Dichter 
Friday, 17. February, 2017 - Gedanken und Gedichte
Dichter haben es gut:
Sie sind die einzigen Menschen,
die sich einen Reim
auf diese Welt machen können.

---

Mitunter werden Dichter pervers,
wenn sie per Vers unterwegs sind.

---

Erst betrachten, dann grübeln, dann abdichten.
Zuweilen sind Dichter lediglich geistige Klempner.
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Anerkennung 
Thursday, 19. May, 2016 - Gedanken und Gedichte
Warum sollten Menschen nicht lamentieren, imitieren und ihr Ego durch andere aufpolieren dürfen?

Oder anders gesagt:

Es gibt eine Zeit der Freude und eine Zeit des Klagens. Beides besteht nebeneinander. Jedes besitzt seine Berechtigung. Zwar möchten wir stets nur Freude empfinden, doch wie öde und fade wäre das Leben, wenn es keine Abwechslung böte. Irgendwann würde sich die Freude abnutzen, weil es nichts anderes gäbe. Achterbahn ist nun einmal lustiger als eine Fahrt, die schnurstracks geradeaus verläuft. Höhen wie auch Tiefen sind das Salz in der Suppe des Lebens.
Deshalb runzele ich die Stirn bei Menschen, die anderen das Lamentieren vorwerfen, wenn diese schlecht drauf sind. Warum kommt der Vorwurf als ein Schlag über die Mütze, wenn man eh schon unten ist? Hm, vielleicht sollten wir beim nächsten Mal jemandem, der gut drauf ist, vorwerfen: "Oh Mann, bist du heute wieder scheißglücklich. Bitte lass mich mit deiner Freude in Ruhe!"?

Selbstverständlich imitieren wir andere. Das tun wir fortwährend. Aber das muss nicht – außer bei Kleingeistern, die nichts anderes denken und können – ständiges Kopieren meinen. Vielmehr vermag die Idee des einen den anderen zu eigenen Überlegungen inspirieren. So baut man sich gegenseitig auf, ist kreativ, ist schwunglos – was letztlich alle weiterbringt.
Man stelle sich einmal vor, Erfindungen und Entdeckungen seien bloß deshalb nie geschehen, weil keiner sich traute und wir ja nicht imitieren sollen, einen vorgedachten Gedanken weiterzudenken und damit etwas Neues zu schaffen.

Mein Ego poliere ich gern durch andere auf – so wie es jeder Mensch tut. Nur nennt sich das nicht aufpolieren, sondern Anerkennung. Kaum ein Mensch kommt ohne sie aus. Jeder von uns braucht bisweilen Lob, Beachtung und Sympathie.
Ich halte die Anerkennung, neben Durst und Hunger, sogar für die stärkste Triebfeder des Menschen. Meine Güte, was alles unternehmen sie, um anerkannt zu werden. Bedauerlicherweise nicht immer Gutes oder zumindest mit Dingen, die keinem schaden.
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Wenn es darauf ankommt 
Wednesday, 03. February, 2016 - Gedanken und Gedichte
Vorigen Herbst erzählte mir ein Freund, er habe die supersüßeste Maus seines Lebens kennengelernt.

Doch es ergab sich ein Problem: Wenn er mehr von ihr von ihr wollte, rückte sie von ihm ab, und wenn er fern blieb, kam sie näher, bis er mehr von ihr wollte und... Ein Hamsterrad und ermüdendes Hin und Her.

Es ist erheblich von Vorteil, sich vorher zu entscheiden, ob man eine Beziehung eingehen will, statt sich zwei Schritte vor und dann wieder einen Schritt zurück zu begeben!

Wer Liebe als ein bloßes Spiel wahrnimmt, wird ewig suchen und nie ankommen – und sich am Ende seiner Tage fragen, wieso er niemals fand, was er wollte.

(Eintrag am 7. März korrigiert.)


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Jammern ein "No-go"? 
Saturday, 16. August, 2014 - Gedanken und Gedichte
Immer wieder erstaunlich ist es, wie schnell man abgestempelt wird, wenn die Mundwinkel mal nicht nach oben, sondern nach unten zeigen. Was soll das?!

Ist denn nur eine Zeit fürs Lächeln, aber keine fürs Jammern erlaubt? Das wäre todlangweilig und ziemlich verkehrt.

Denn für alles muss es eine Zeit geben: Man sollte lachen, frohlockend, juchzend, weinend, jammernd, schluchzend und noch ganz viele Adjektive mehr dürfen, ohne hören zu müssen: "Lachen ist ein To-do, Jammern ein No-go!"


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Gedankenverlorenheit 
Wednesday, 14. May, 2014 - Gedanken und Gedichte
So viele tragen
so viele Gedanken in sich,
doch zu wenige sind fähig,
sie auszudrücken.
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Komisch oder seltsam? 
Sunday, 02. February, 2014 - Gedanken und Gedichte
Es ist kurios, wie oft komisch und seltsam als Synonyme verstanden werden. Noch kurioser ist es, daß ausgerechnet Menschen, die sich auf die deutsche Sprache verstehen sollten, wie etwa Drehbuchautoren oder Journalisten, diese beiden Wörter fortwährend durcheinanderbringen.

Interessanterweise wird häufer etwas Seltsames als etwas Komisches begriffen, aber seltener umgekehrt: Ist es nicht komisch, daß Frau Meyer die Treppe heruntergefallen ist und sich das Genick gebrochen hat? Doch keiner sagt über einen lustigen Clown nicht: Ist er nicht fürchterlich seltsam? Oder hat jemand schon einmal einen Filmkritiker sagen hören: "Dieser Film ist voll mit unfreiwilliger Seltsamkeit", obwohl er gewiß "unfreiwillige Komik" meinte?

Meinetwegen darf man diese Wörter verwechseln, wenn man es nicht besser kann – aber wie komisch-seltsam-merkwürdig wirkt das auf Menschen, die es besser können?
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Alt und Neu 
Sunday, 08. December, 2013 - Gedanken und Gedichte
Kurios ist es, daß wir das Neue gern ablehnen, weil es so neu ist, und das Alte lieber beibehalten, weil es so alt ist.

Umgekehrt trifft das seltsamerweise ebenfalls zu.
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Für Loulou 
Thursday, 12. April, 2007 - Gedanken und Gedichte

Deine Stille ist wie das Feuer,
das in meiner Seele brennt.
Erst berührt es mich,
dann schmerzt es fürchterlich.
Schließlich verbrennt es mich.



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Adieu 2006! 
Sunday, 31. December, 2006 - Gedanken und Gedichte
Und wieder ist ein Jahr vergangen. Statt an Feuerwerk und Alkohol möchte ich an diesem Silvesterabend einmal an die Beschäftigten jener Krankenhäuser denken, die spätestens nach Mitternacht wieder alle Hände voll zu tun haben werden.
   Denn die Menschen werden nicht klug. Nicht nur zur Grillsommerzeit, auch zu Silvester müssen immer und immer wieder Verbrennung, zerfetzte Gliedmaßen und ähnliches behandelt werden, weil in unverantwortlicher Weise mit gefährlichen Stoffen umgegangen wird.
   Die Unverantwortlichkeit mußte ich unter anderem gestern abend feststellen, als ich mit einigen Lebensmittel beladen eine Straße entlanglief und jemand aus einem Fenster einen Böller warf, der keine drei Meter von mir entfernt explodierte. Leider sah ich in der Dunkelheit nicht, woher genau das Ding geworfen wurde, aber die Kraftausdrücke, die ich nach oben schrie, möchte ich hier nicht wiedergeben.

Ginge es nach mir, würde ich all die schweren Böller, zum Beispiel die sogenannten Kanonenschläge, verbieten. Nichts gegen buntleuchtende Raketen und glitzernde Lichterspiele, aber solche Böller, mit denen etliche Leute unverantwortlich umgehen oder die dazu geeignet sind, das Gehör zu schädigen, sind bestimmt nicht notwendig, um Silvester feierlich zu begehen. Diese Dinger sind einfach zu laut und zu gefährlich.
   Es sei einmal linkisch gefragt, wieviel die Körperverletzungen am Silvesterabend die Krankenkassen wohl kosten? Aber solch eine Frage ist wahrscheinlich zu ketzerisch, und der eine oder andere wird einem vorwerfen, man sei spaßfeindlich oder ginge zum Lachen in den Keller. Möglicherweise ist die Kostenfrage nur gestattet, wenn es sich um die schlimmen, schlimmen Raucher handelt.

Nun denn, ich werde jedenfalls heute abend eher eine Zigarette als einen Böller anzünden...

Adieu 2006!


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Vertrauen 
Monday, 02. January, 2006 - Gedanken und Gedichte
Vertrauen

Es ist schön, sagst Du,
Vertrauen zu haben
- dann hab es doch!
Was ist die Enttäuschung
- von der Du nicht weißt,
ob sie passiert -
gegen das Gefühl
Vertrauen zu haben?

(Jörn Pfennig)

http://www.joernpfennig.de/
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Ein Loblied auf die Staatsunternehmen 
Sunday, 01. January, 2006 - Gedanken und Gedichte, Allgemein
Eine merkwürdige, aber wahre Begebenheit, die mir vor einigen Jahren auf der Post in Höchst (Frankfurt am Main) widerfuhr:

Ich stand in der Warteschlange und kam gerade an die Reihe. Da rief hinter meinem Rücken eine Dame mittleren Alters leicht gehetzt der Postangestellten zu: "Entschuldigung, wo kann ich denn hier telefonieren?" Die Angestellte: "Telefonieren? Aber doch nicht in der Post!"

Vor zehn Jahren hätte diesen Witz noch niemand verstanden. Ich entsinne mich daran, daß es selbst in der kleinen Post meines Heimatortes Zeilsheim (Frankfurt am Main) eine Telefonzelle gab. Doch irgendwann, nachdem die Deutsche Bundespost privatisiert worden war, verschwand wie so viele Postfilialen auch diese.
   Wie seltsam wirkt es, wenn man in den vielen Jahren seiner Jugend an diesem Postamt vorbeikam, doch eines Tages all das, was früher gut gewesen war, auf einmal nicht mehr gut genug sein sollte.
   Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Infrastruktur der Bundespost mit Steuergeldern aufgebaut, und die Bürger bezahlten für die Postdienstleistungen Gebühren. Doch irgendjemand, der offensichtlich nur den finanziellen Vorteil sah, kam zu der Ansicht, daß nach fünfzig Jahren dieses Staatsunternehmen zu teuer sei. Das gleiche galt für die Deutsche Bundesbahn. Und so haben wir heute die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Post World Net AG, die Deutsche Bahn AG sowie viele kleine Tochterfirmen.

Fortsetzung folgt...
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Mut: Los! 
Friday, 30. December, 2005 - Gedanken und Gedichte
Mut: Los!

Ich wünsche mir Menschen,
eine Welt voller Menschen,
die sich mit der gleichen Phantasie,
mit der gleichen Kombinationsgabe
und mit den gleichen Gefühlen
so kompromißlos und brutal
den Starken zur Wehr setzen,
wie sie es stets gegen
vermeintlich Schwächere
versuchen.

(06/IV/99)
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Leistung lohnt sich - nicht! 
Sunday, 25. December, 2005 - Politik, Gedanken und Gedichte
Spitzengehälter steigen und steigen, doch Otto Normalverdiener hat immer weniger in der Tasche. Doch womit werden diese gewaltigen Gehaltsunterschiede begründet: Verantwortung, Leistung, Arbeitszeit?

Das kann es eigentlich nicht sein. Viele "normale" Berufe fordern eine große Verantwortung der Angestellten, etwa der einer Krankenschwester. Doch wollte man behaupten, sie bekäme ein nur annäherend so hohes Gehalt wie der große Verantwortung tragende Manager? Und wie sieht es mit der Berufstätigen aus, die nach Feierabend noch putzen geht, um über die Runden zu kommen? Auch sie leistet viel und arbeitet lange, doch von einem Lohn, der zu mehr als dem monatlichen Lebensbedarf ausreicht, kann sie nur träumen.

Wahrscheinlich waren es einst Manager, die nach einer Begründung für ihre obszön hohen Gehälter suchten, und da ihnen nichts Besseres einfiel, behaupteten sie eben, sie trügen eine größere Verantwortung,leisteten und arbeiteten mehr als andere.
   Wenn heute ein Guido Westerwelle wie eine Aufziehpuppe unablässig davon spricht, Leistung müsse sich (wieder) lohnen, so möge man diesen Mann schleunigst aus der Politik entfernen, denn offensichtlich weiß er nicht, wovon er spricht. Seine einzige Leistung besteht darin, ständig die gleichen Worte zu wiederholen und darauf zu hoffen, daß sie irgendwann als wahr anerkannt werden. Dankbare Schreiberlinge oder Rederunden à la Christiansen als Plattform finden sich ja leider genug, was man daran merkt, daß Westerwelles Unfugsworte überhaupt allgemein bekannt sind.

- ver.di Bildung + Beratung: Managergehälter 2004
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Weihnachslied, chemisch gereinigt (Erich Kästner) 
Saturday, 24. December, 2005 - Kabarett und Satire, Gedanken und Gedichte
Erich Kästner

Weihnachtslied, chemisch gereinigt


(Nach der Melodie: "Morgen, Kinder, wird's was geben!")

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bißchen durch die Straßen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen -
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und heil'ge Nacht -
Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit ...

Ach, du liebe Weihnachtszeit!


Dieser Text wurde der lesenswerten Seite Labournet.de entliehen.

Mit Dank an Werner Schlegel für den Hinweis auf dieses Erich-Kästner-Gedicht.
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Gnothi se auton - Erkenne dich selbst 
Wednesday, 21. December, 2005 - Gedanken und Gedichte
"Es bleibt aber die Sehnsucht, erlöst zu werden. Und erlöst zu werden von einem anderen - nicht von sich selbst. In der Liebe erhofft man sich immer, von dem anderen erlöst zu werden; insofern, als daß man die ganzen Rollenspiele aufgibt und ein für allemal sagt: mich interessiert jetzt überhaupt nichts mehr, was alle anderen von mir denken, sondern diese Frau, die ich jetzt liebe, die erlöst mich, indem sie eine Sache in mir sieht, die ich selbst bin. Und statt sich die dauernde Rückversicherung der anderen zu beschaffen, oder die absolute Heiligsprechung und Erlösung von einem, den sie lieben - oder der sie liebt -, die hätten es doch soviel einfacher, wenn sie einmal das 'Gnothi seauton', sich selbst erkennen würden. Und mit diesem Bild von sich dann leben."

Volker Schlöndorff in:

Es wäre besser, ein anderer zu sein - Die filmischen Spekulationen des Volker Schlöndorff (D 1991)


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Oberflächlichkeiten 
Thursday, 15. December, 2005 - Gedanken und Gedichte
Oberflächlichkeiten

Die Finger habe ich mir schon
an heißen Herdplatten verbrannt,
auch die Kniescheiben und Hände
am spröden Asphalt abgeschürft,
erst recht den unnachgiebigen Kopf
an rauhen Wänden aufgestoßen,
doch keine Oberflächlichkeit
wußte mich mehr zu verletzen,
als die eines einzelnen Menschen.

(06/X/99)
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